DER SANKT MARTIN-PILGERWEG

IN DER GROSSEN UNGARISCHEN TIEFEBENE

 

Der Sankt Martin-Pilgerweg in der Großen Ungarischen Tiefebene verbindet Kunszentmárton im Komitat Jász-Nagykun-Szolnok mit Tiszapüspöki, zwei römisch-katholische Kirchen an den Flüssen Theiß und Körös, die dem Bischof hl. Martin geweiht sind. Sein Zeichen ist das rote St M auf weißem Grund, d. h. St. Martin. Dies ist der erste mit Touristenmarkierung versehene Kulturweg dieser Komitatsregion, er wurde 2016 anlässlich der 1700. Jahreswende der Geburt des Bischofs hl. Martin abgesteckt. In Ungarn sind viele Siedlungen und Kirchen nach dem hl. Martin benannt, weil Martin im einstigen Savaria, dem heutigen Szombathely (Steinamanger) geboren wurde.

Der Weg reiht die Siedlungen an Körös und Theiß von Kunszentmárton bis Tiszapüspöki aneinander (Kunszentmárton – Szelevény – Cserkeszőlő − Csépa – Tiszasas – Tiszaug – Tiszakürt – Tiszainoka – Nagyrév – Cibakháza – Tiszaföldvár – Martfű – Kengyel – Szajol − Törökszentmiklós – Tiszapüspöki sowie Kunszentmárton – Öcsöd – Mesterszállás – Kunszentmárton) und bietet abwechslungsreiche natürliche, architektonische und kulturelle Sehenswürdigkeiten sowie zahlreiche Möglichkeiten aktiver Erholung.

Die ca. 100 km lange Wegstrecke verläuft in ebener Landschaft und ist deshalb besonders für die älteren Altersklassen sowie für Ausflüge von Familien mit kleineren Kindern zu empfehlen. Auf dem Weg gibt es keine schwer begehbaren Abschnitte. Der die 18 Siedlungen verbindende Weg kann überall begonnen und auch in Teilen zurückgelegt werden. Wegen seines Flachlandcharakters können ihn auch Fahrradtouristen wählen, und es gibt sogar die Möglichkeit des Reitens auf einzelnen Abschnitten. Die am Weg liegenden Siedlungen können leicht mit Auto, Autobus und Bahn erreicht werden. Den Pilgerausweis kann man bei den Selbstverwaltungen und in den Kirchen abstempeln lassen.

 

Natürliche Sehenswürdigkeiten

 

Die Wegstrecke verläuft auf Deichen entlang der Flüsse, auf Äckern, Weiden, in Weingärten, Wäldern und an den Flüssen. Die Haine, Wasserläufe, kleineren oder größeren Teiche und toten Arme der Flüsse gestalten die Landschaft sehr abwechslungsreich. Außerordentlich schön ist das Arboretum von Tiszakürt. In dieser natürlichen Umgebung ist eine sehr reichhaltige Pflanzenwelt zu betrachten, wir können uns an den Wasservögeln erfreuen und mit etwas Glück das Kleinwild bestaunen: Rehe, Hasen und auch Fasane.

Auch der Anblick der Flüsse an sich ist schön. Die Besonderheit der Gegend ist das „Blühen“ der Flüsse. Denn an der Wende vom Juni zum Juli jedes Jahres kommen aus dem Uferschlamm Hunderttausende von Eintagsfliegen hervor, die nach einigen Stunden des Lebens und der Paarung zugrunde gehen.

Einst konnten von der Körös und der Theiß viele Fischer leben. Heute ist das Sportangeln Mode. Überall gibt es Angelvereine, und ihre Gewässer sind reich an Fischen, es besteht die Möglichkeit zum Angeln und nach entsprechender Organisierung sogar für die Jagd.

Für die Gegend ist die Landwirtschaft typisch, kleinere Industriebetriebe gibt es nur in einigen Siedlungen. Auf der Feldwirtschaft beruht das Mühlengewerbe. Hier und dort findet sich noch ein Zeugnis der alten Windmühlen. In der Weideviehhaltung dominieren Schaf, Rind und besonders das als ungarische Spezialität betrachtete sog. „ungarische Graurind“. Und auf dem Sandkegel in der Mitte des Gebietes wird Wein- und Obstbau betrieben.

 

 

Die Spezialitäten der Ernährungskultur

 

Auf diesen Produkten basiert bis heute die spezifische Ernährungskultur der Gegend. Neben den Fischgerichten ist birkapörkölt/Hammelgulasch beliebt, aus zerstampftem ausgekeimten Weizen wird vitaminreicher csíramálé/Keimfladen gebacken, aus Weizenmehl besteht bodag (Blätterteig mit Grieben und Pfeffer) und aus Griebenteig und Pflaumenmus das Gebäck barátfüle/Mönchsohr. Aus Obst wird nicht nur Marmelade gekocht, sondern auch Palinka gebrannt. Entlang der Wegstrecke befinden sich berühmte Schnapsbrennereien und Weingüter.

 

Gegenständliches und geistiges Erbe, kulturelle Werte

 

Die Siedlungen der Gegend bevölkerten sich wieder am Beginn des 18. Jahrhunderts nach der langen Türkenherrschaft. Teilweise kehrten die Ureinwohner zurück, aber auch aus dem damaligen Nordungarn trafen viele Siedler ein. Infolge der inneren Migration finden sich hier einstige Fronbauerndörfer, von Kleinadligen bewohnte Siedlungen und Marktflecken, Kleinstädte. Ihre architektonische Kultur ist unterschiedlich. Die Kirchen der religiös gemischten, katholischen, reformierten, evangelischen und jüdischen Bewohner wurden im Laufe des 18.−20. Jahrhunderts erbaut. Manche stehen unter Denkmalschutz. Besonders in den Gassen und Gemarkungen katholischer Siedlungen finden sich viele Wegkreuze und Statuen.

In der Mehrheit der Siedlungen gibt es ein Heimatmuseum, das die alte dörfliche Lebensweise darstellt, in den drei größeren Städten (Kunszentmárton, Tiszaföldvár, Törökszentmiklós) ein Museum. Das geographische Museum von Tiszaföldvár bietet die natürlichen Werte der Landschaft dar. Die ständige Ausstellung des Museums von Kunszentmárton wiederum bewahrt die einstigen Werkstätten des Kleingewerbes der Gegend, aber stellt die Geschichte der Stadt und des Raumes dar, die gegenständlichen Zeugnisse der traditionellen bäuerlichen Kultur.

 

Sport, Unterhaltung

 

An mehreren Stellen des Weges kann man sich an den Stränden der Theiß und Körös ausruhen, man kann radfahren und reiten auf den Deichen und im Innenbereich der Siedlungen ausgiebige Spaziergänge machen. In mehreren Gemeinden (Cserkeszőlő, Tiszaföldvár, Martfű) kann auch das Thermalbad aufgesucht werden.

 

Unterbringung und Speisemöglichkeiten

 

Nach vorheriger Anmeldung kann überall Unterbringung und warmes Essen entlang des Kuturweges garantiert werden. Den Pilgerausweis/Touristenausweis gibt es in Kunszentmárton, im Besucherzentrum der St. Martin-Pfarrei, im Informationsbüro. Dort wird auch Aufklärung über alle sonstigen Einzelheiten des St. Martin-Pilgerweges gegeben. In Kürze erscheint auch der ausführliche Reiseführer mit der Darstellung der natürlichen und kulturellen Sehenswürdigkeiten sowie der Dienstleistungen (Geschäfte, Restaurants, Apotheken usw.).

 

Empfehlung

 

Wir empfehlen den St. Martin-Kulturweg der Tiefebene allen ungarischen und ausländischen Gästen, die die Beruhigung der Seele suchen, die sich aus der Hast des Alltagslebens für einige Tage zurückziehen wollen, die Freude an der Schönheit der Landschaft am Fluss finden oder die das kulturelle Erbe unserer Vorfahren kennenlernen wollen, und ebenso allen, die vielleicht einige Tage angeln, reiten, jagen möchten, die gern zu Fuß gehen oder radfahren. Wegen der leichten Geländegegebenheiten empfehlen wir den Weg im Flachland gern der Aufmerksamkeit der älteren Altersklasse und der Familien mit Kindern.

 

Kontakt:

Szent Márton Alapítvány, Látogatóközpont

H-5440 Kunszentmárton, Köztársaság tér 3, Hungary

Kovácsné Szabó Katalin sze.pleb@gmail.com

Tel.: +36-70-554 6005 (nur ungarisch!)

 

Gábor Barna 

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